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Träumereien mit Schlangen

„Das Blaue Einhorn“ begeisterte das Publikum in der Bühne 602

"Wenn ich Grau sehe, grab ich ein Loch, und leg mich hinein“, verrät Paul Hoorn,
Frontmann des Dresdener Quartetts "Das Blaue Einhorn" beim Konzert am
vergangenen Freitag im Rostocker Theater Bühne 602. Doch mit der Farbe Grau
war dieses ungewöhnliche Konzert kaum zu vergleichen. Dazu würde es
sämtliche Farben eines perfekten Regenbogens kurz nach einem sanften
Regenschauer an einem warmen Spätsommerabend benötigen.
Vier hochbegabte Musiker spielten jeder eine Vielzahl an Instrumenten und
ließen so das Publikum auf eine musikalische Weltreise gehen. Paul Hoorn
erzählte und sang Geschichten „aus dem Dickicht der Städte“ so eindrucksvoll,
dass die von ihm beschriebenen Schicksalsschläge großer Liebestragödien, die
Leiden gescheiterter Revolutionäre oder auch das verzweifelte Klagen eines
durstigen Mannes nach einem kühlen Tropfen Bier die Herzen der Zuschauer in
einen Zustand tiefster wehmütiger Anteilnahme versetzte, nur um die gebannt
Lauschenden im nächsten Moment auf eine ausgelassene jüdische Hochzeit
mitzunehmen, so herzlich, dass es schien, als ob alles Glück der Erde einen
Moment der Ewigkeit gefunden hätte.
Das dargebotene Programm „Traum mit Schlangen – Folklore und Chansons aus
dem Dickicht der Städte“ vereinte Chansons von Brel, Wyssotzkij und anderen,
Lieder und Tänze der Juden und Roma, Fado, Rembetiko, Tangolieder und vieles
mehr. „Die Lieder erzählen Geschichten von den Gegensätzlichkeiten und
unerwarteten Wendungen des Lebens im Dickicht der Städte“, so Paul Horn.
Das Blaue Einhorn nennt sich nach einem Fabelwesen, von dem der kubanische
Sänger Silvio Rodrigues in seinem Lied „Unicornio“ erzählt, dass es mit seinem
Horn Gesänge aus der Nacht fängt und mit anderen teilt.
Das bemerkenswerte Quartett wurde vor 15 Jahren von Paul Hoorn und Andreas
Zöllner gegründet. Die Jubiläumstour unter dem Titel „Oifn Weg – 15 Jahre Das
Blaue Einhorn“ führt die musikalischen Geschichtenerzähler Mitte März auch
nach Rostock auf die Bühne 602. Weitere Infos unter „www.unicornio.de“.
Michael Winter

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