Faktisch hat die gut dotierte Direktorin der Städtischen Museen Rostocks noch ein Haus zu betreuen – Konzept fehlt
Anfang November 2009 hörte man von Rostocks OB Roland Methling: „Das Museumskonzept bewegt uns seit 15 Jahren – eine Schwerpunktlegung aus der Verwaltung gab es bisher nicht.“ Klare Kritik an der Zuständigen: Leiterin der Städtischen Museen Rostocks ist seit 2000 Dr. Michaela Selling (SPD).
Seit ihrem Amtsantritt hat sich viel getan innerhalb der Museumslandschaft der Stadt – im Gegensatz zum von Selling geforderten Konzept.
Ein Blick zurück: Im Jahr 2000 gehörten zu den Städtischen Museen Schiffahrtsmuseum, Schiffbaumuseum, Kunsthalle, Kulturhistorisches Museum, Warnemünder Heimatmuseum und Kröpeliner Tor.
Schiffahrts- und Schiffbaumuseum wurden 2004 in die „IGA“ überführt – gehörten damit nicht mehr der Stadt.
Vom Heimatmuseum Warnemünde trennte sich Rostock 2005. Es ging an den Warnemünder Museumsverein.
Das Kröpeliner Tor wurde 2004 als Museumsstandort geschlossen. Die Kunsthalle wird seit März 2009 vom Verein „pro kunsthalle“ betrieben.
Was in Sellings Verantwortung direkt bleibt, ist faktisch also lediglich das Kulturhistorische Museum – mit acht Mitarbeitern.
Glaubt man den Aussagen von Verwaltungsmitarbeitern, so fällt Selling eher durch ihr Fahrzeug (sie lenkt einen Porsche) denn durch ihre Arbeit auf. Den Sportwagen dürfte sich die Direktorin des Städtischen Museeums leisten können. Sie wird von den Rostockern zünftig honoriert: Die Verwaltung gibt an nach „Tarifvertrag Öffentlicher Dienst (höherer Dienst)“. Nach WK-Informationen kann sich Selling über die „E15“-Besoldungsgruppe freuen. Das dürfte rund 65.000 Euro Brutto-Grundgehalt pro Jahr für sie ergeben.
Im Herbst 2009 hatte Selling es dann geschafft: Sie legte – nach vielen Jahren – ein Museumskonzept vor. Das sahen, mit einigen Ausnahmen, jedoch wenige so. Das Papier wurde lediglich als Diskussionsgrundlage bewertet.
Somit weiß die Stadt immernoch nicht, was mit ihren Kunstschätzen passieren soll, wie die Zukunft für Rostocks Museen aussehen wird.
Im Januar 2010 erhält Selling Unterstützung von der Bürgerschaft: Sie beschließt, es wird eine externe Expertenkommission mit der Problematik beauftragt. Wer die Rostocker Kulturszene über die Jahre beobachtet hat, weiß: Es haben sich diverse externe und interne Kommissionen mit dem Thema beschäftigt – mit eher bescheidenem Erfolg. Es stellt sich die Frage, was das bisher gekostet hat.
Offensichtlich eine sehr schwierige: Etwa drei Monate braucht Sellings Chefin, Kultursenatorin Dr. Liane Melzer, für die „Antwort“. „Die Frage kann leider nicht vollständig beantwortet werden, da handelnde Personen und Informationen insbesondere zu den Kosten nicht mehr vorliegen.“ Das sind die „Fakten“ aus Melzers Bereich.
Es ergibt sich eine weitere Frage: Wenn die Verwaltung es nicht hinbekommt, wäre es dann nicht besser und kostengünstiger, den restlichen Museumsbereich komplett „auszusourcen“? Die Kunsthalle läuft übrigens, wenn man sich die Besucherzahlen anschaut, erheblich besser, seit der Verein sie betreibt … C.Müller